Wie eine dänische Großmutter plötzlich ins Licht der Brexit-Debatte gerückt ist

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      Wie eine dänische Großmutter plötzlich ins Licht der Brexit-Debatte gerückt ist

      Tove MacDonald ist traurig und versteht die Welt nicht mehr – besser gesagt Großbritannien. Wegen des bevorstehenden Brexits muss sich die 87-Jährige registrieren lassen und das, obwohl sie schon fast 60 Jahre in Schottland lebt.

      Sie empfindet sich mehr schottisch als dänisch, hat fast ihr ganzes Leben in Großbritannien verbracht. Jetzt weiß Tove MacDonald nicht mehr, wie es für sie weitergehen soll. Denn die 87-jährige Großmutter aus Schottland hat Angst vor den Konsequenzen des Brexits, der am 29. März vollzogen werden soll. Tove ist ursprünglich Dänin. Als EU-Bürgerin aus dem Ausland ist sie verpflichtet, sich beim britischen Innenministerium registrieren lassen, um sich für den weiteren Aufenthalt in Großbritannien zu bewerben. Dort wird entschieden, wer bleiben darf und wer nach dem Brexit gezwungen wird, das Land zu verlassen.

      Tove hat ein bewegtes Leben hinter sich: Geboren wurde sie in Kopenhagen unter der Besatzung des nationalsozialistischen Deutschlands. Dort traf sie 1959 ihren Mann. Nur ein Jahr später zog sie mit ihm nach Schottland. Heute hat Tove zwei Kinder und fünf Enkelkinder. Seit 59 Jahren lebt sie in Schottland und hatte nie Probleme bezüglich ihres Aufenthaltsstatus – bis jetzt.

      "Ich habe immer gedacht, Großbritannien sei fantastisch"


      Einen britischen Pass hat Tove MacDonald nicht: "Ich habe nur einen dänischen Pass, weil es nicht nötig war, sich einen anderen Pass zu holen, als ich geheiratet habe.", sagte die Rentnerin dem schottischen Sender stv. Sie hat lediglich eine Versichertenkarte. Damit gilt sie als nicht-britische EU-Bürgerin – mit der Folge, dass sie sich im Zuge des Brexits bei den nationalen Behörden registrieren lassen muss. Etwas, was sie zuvor nicht musste.

      "Ich liebe Schottland, ich liebe die Landschaft hier. Ich denke, es ist ein wundervolles Land. Ich liebe die Menschen, die Menschen sind so freundlich. Einfach nur wundervolle Menschen.", erzählt sie in einem Interview mit stv. Jetzt sieht sie das ein wenig anders: "Ich habe immer gedacht, Großbritannien sei fantastisch. Ich befürchte, dass es nicht mehr so ist wegen des Brexits. Sie wollen alles hinter sich lassen, was zwischen uns aufgebaut wurde."

      Registrierung für EU-Bürger ist Pflicht

      Dass sie sich jetzt registrieren lassen muss, stimmt sie traurig: "Ich fühle mich sehr, sehr schlecht deswegen. (…) Ich dachte, die wüssten alles über mich. Ich verstehe nicht, warum ich mich registrieren lassen sollte." Damit sie aber vorerst in Großbritannien bleiben kann, muss sie sich bei den Behörden melden. "Ich dachte, das könne nicht stimmen, denn ich habe ja so viele Jahre hier gelebt."

      Tove MacDonald ist eine von mehr als 200.000 Menschen in Schottland, die zwar EU-Bürger, aber nicht britisch sind, berichtet stv. Nach den jetzigen Plänen der Regierung in London sollen rund 185.000 Menschen in Schottland, die keinen britischen oder irischen Pass besitzen, sich für einen Aufenthaltsstatus im Königreich bewerben, wenn sie nach 2021 noch dort wohnen bleiben möchten. Im ganzen Königreich sind es sogar rund drei Millionen Menschen.

      Tove MacDonald wird zum Politikum

      Das Schicksal von Tove – und auch vieler anderer EU-Bürger in Schottland und dem Rest Großbritanniens – sorgt im Land für Diskussionen, auch in der Politik. Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon empörte sich auf Twitter: "Wenn ich das sehe, fühle ich mich gleichermaßen traurig und wütend. Tove, gebürtige Dänin, lebt seit 59 Jahren in Schottland und stellt diese vernünftige Frage: 'Warum muss ich mich mit 87 registrieren lassen?' Die Antwort lautet 'Brexit'. Tove, das ist dein Zuhause, Schottland will dich hier haben."

      Selbst im britischen Unterhaus in London wird Tove MacDonald Teil der Brexit-Debatte. Ein Abgeordneter der Schottischen Nationalpartei SNP wandte sich mit seiner Frage direkt an Premierministerin Theresa May: "Tove hat hier ihr Leben aufgebaut. Premierministerin May, warum sollte sich Tove registrieren, nachdem sie fast 60 Jahre in Schottland gelebt hat? Es ist eine herzlose Politik!" May antwortete darauf, dass EU-Bürger wie Frau MacDonald, die länger als fünf Jahre durchgehend im Land gelebt haben, das Recht hätten zu bleiben. Auch wenn sie über ihre Registrierung nur mit dem Kopf schütteln kann, will Tove die "Einbürgerungs"-Strapazen auf sich nehmen, um in Schottland zu bleiben: "Ich kann sonst nirgendwo hin. Das ist mein Zuhause."

      Quelle: Stern