Künftig erlaubt Schottland Bestattungen durch alkalische Hydrolyse. Neben der Erd- und Feuerbestattung stellt die Wasserbestattung eine neue und umweltfreundlichere Methode dar.
Schottland ist das erste Land im Vereinigten Königreich, das künftig sogenannte "Boil-in-a-Bag"-Beerdigungen erlaubt, berichtet die britische Tageszeitung "Daily Mail". Mithilfe der offiziell als alkalische Hydrolyse bezeichneten Technik ist es möglich, menschliche Überreste in Flüssigkeiten aufzulösen und somit traditionelle Bestattungsmethoden zu ersetzen.
Dazu wird der in ein biologisch abbaubares Tuch gewickelte Körper in einer Druckkammer mit Wasser und einem alkalischen Mittel erhitzt, bis er sich vollständig aufgelöst hat. Dieser Prozess, der den natürlichen Zersetzungsprozess nachahmt, dauert mehrere Stunden und würde normalerweise Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Die verbleibenden Knochen werden anschließend zu Asche verarbeitet und den Angehörigen zurückgegeben.
Boil-in-a-Bag-Bestattung ist eine der umweltfreundlichsten Methoden
Befürworter bezeichnen diese Methode als umweltfreundliche Alternative zur klassischen Einäscherung, da bei ihr keine fossilen Brennstoffe verbraucht werden. Die sterilisierte Flüssigkeit kann ins Abwassersystem geleitet werden, wo sie sicher verarbeitet wird. Die Hydrolyse ermöglicht es Familien, Bestattungen an ihre persönlichen Werte und Prioritäten anzupassen.
Bei einer öffentlichen Konsultation, die die schottische Regierung 2023 durchgeführt hat, sprachen sich 84 Prozent der Befragten für die Einführung der Wasserbestattung aus. Bevor diese Methode jedoch angeboten werden kann, müssen Bestattungsunternehmen Baugenehmigungen einholen und Absprachen mit Wasserdienstleister Scottish Water treffen. Die ersten Verfahren sollen noch in diesem Sommer stattfinden, sobald alle erforderlichen Zustimmungen vorliegen.
Wird die Kochbeutel-Bestattung bald auch in Deutschland erlaubt sein?
Die alkalische Hydrolyse ist in Ländern wie Irland, Kanada, Neuseeland und den USA bereits legal, berichtet das Nachhaltigkeitsportal "Utopia". In Deutschland ist diese Methode derzeit noch nicht als Bestattungsform für Menschen zugelassen, da sie nicht in den jeweiligen Bestattungsgesetzen verankert ist und das Bestattungsrecht Ländersache bleibt.
Zwar wird die alkalische Hydrolyse in der Diskussion als mögliche ökologische Option genannt, doch konkrete rechtliche Rahmenbedingungen oder Pilotprojekte für Menschen fehlen bislang. Im Tierbereich findet die Hydrolyse allerdings bereits Anwendung.
Quelle: Focus